Erstellt: Dienstag, 29. Oktober 2019 15:40

Im Rückblick ist der Sommer 2003 der erste Sommer der Trockenstress an den Reben am Weinberg am Lingnerschloss bewirkt hatte. Der Niederschlag lag an diesem Standort fast 100 Liter unter dem Dürrejahr 2018. Sehr warm waren die Monate Mai bis August.. Allerdings war im Jahr 2018 auch noch der Monat April viel zu warm.

Erinnert sei auch an den Sommer 2015 und 2019.

Wir können die Symptome von Trockenstress am Weinberg am Lingnerscchloss beobachten:

  • Wuchshemmung der Triebe
  • Abwerfen von Triebspitzen
  • Vergilben von Blättern
  • Schrumpfen von Beeren im August in Extremjahren
  • kleine Beeren zur Lese
  • Austrocknung des Oberbodens durch Evaporation
  • Vertrocknen der Begrünung

Das Auffüllen des Bodens mit Wasser geschieht in den Monaten November bis März außerhalb der Vegetationsperiode bei einer geringen Verdunstung.

[L/qm] Jan Febr März April Mai Juni Juli Aug Sept Okt Nov Dez 11-03 04-10 Jahr
2003 1) 41,6 6,0 18,3 17,5 38,8 32,2 67,6 17,3 23,4 27,4 21,7 26,5 234,0 224,2 338,3
2004 37,8 27,2 26,2 14,7 70,9 37,3 78,7 37,1 44,7 32,8 88,4 23,9 139,4 316,2 519,7
2005 52,3 31,0 20,1 18,0 75,4 58,9 134,9 89,2 48,3 27,7 40,9 79,2 215,7 452,4 675,9
2006 23,6 49,8 77,2 44,7 43,2 55,4 4,3 104,9 10,4 83,8 55,4 38,1 270,7 346,7 590,8
2007 61,2 51,8 37,3 2,5 125,2 58,4 94,7 84,6 82,0 28,7 80,8 28,7 243,8 476,1 735,9
2008 82,0 13,7 53,6 108,0 37,0 54,8 84,5 95,8 48,2 84,0 32,4 49,8 258,8 512,3 743,8
2009 21,6 43,6 71,2 10,2 74,0 80,4 102,0 75,2 23,8 87,0 44,8 71,6 218,6 452,6 705,4
2010 29,2 16,6 52,2 28,2 93,6 38,4 123,0 219,8 142,0 11,8 91,9 79,8 214,4 656,8 926,5
2011 55,6 15,4 28,4 42,0 49,4 58,8 214,2 83,4 61,2 38,8 0,6 51,8 271,1 547,8 699,6
2012 72,2 35,2 20,8 35,6 50,6 80,1 103,6 86,8 43,4 28,4 77,8 79,6 180,6 428,5 714,1
2013 78,8 56,4 38,6 23,6 148,2 220,6 47,8 64,6 55,0 57,6 29,6 35,4 331,2 617,4 856,2
2014 31,4 10,2 28,8 32,6 94,2 29,2 121,8 88,6 91,2 49,4 8,8 57,4 135,4 507,0 643,6
2015 63,8 13,6 48,4 60,0 28,8 78,6 40,8 140,8 41,0 66,8 71,4 28,6 192,0 456,8 682,6
2016 63,5 61,4 34,4 51,0 39,2 130,1 104,6 41,8 56,4 83,9 48,6 54,2 259,3 507,0 769,1
2017 47,8 35,4 64,4 52,6 32,8 56,4 91,2 79,6 34,2 88,4 59,4 43,4 250,4 435,2 686,8
2018 47,0 5,8 36,6 56,8 18,6 22,4 33,6 42,6 40,2 27,2 10,4 86,0 192,2 241,4 427,2
2019 89,1 49,4 49,8 30,4 65,6 38,6  42,0 36,0 41,8 46,8 28,0 22,6 284,7 301,2 541,1
2020 21,2 97,8 35,8 5,2                 206,4 5,2  160,0
                        Ø 227,7 440,0  

1) Die Zahlen aus dem Jahr 2003 stammen von der Station Dresden-Hosterwitz.

Da das Messen der Bodenfeuchte aufwendig und teuer ist, begnüge ich mich mit theoretischen Annahmen. Die Winterniederschläge von November bis März durchfeuchten den Boden. Unter der Annahme, daß der betrachtete Bodenkörper eine Bodenfeuchte von 0 % vol. hat, erechnet sich die Tiefe der Durchfeuchtung. Anhand des durchschnittlichen Niederschlages sind dies 228,6 Liter/qm durch 90 Liter/m2/m gleich 2,54 Meter, Feldkapazität FK gleich 9 % vol. bei Sandboden. In der Praxis ist die durchfeuchtete Tiefe größer.

In Sachsen werden 434 Liter/qm potentielle Verdunstung in der Vegetationssperiode angenommen. Rechnet man das wie oben, müsste sich die Rebe dieses Wasser aus einer Tiefe von bis zu 6,20 Meter holen. 343 Liter/qm durch 70 Liter/qm/m, nutzbare Feldkapazität nFK gleich 7 % vol. bei Sandboden. Das ist natürlich nicht realistisch. Die Differenz muß durch Niederschläge während der Vegetationsperiode aufgefüllt werden. Und das ist das Problem.

2003 11-03 09.05. 01.07. 02.08.           sehr warmer Mai, heißer Juni, sehr warmer August, nur im Januar und Juli wurde das Niederschlagssoll erfüllt; Das war das erste heute wahrnehmbare Dürrejahr. Das Wachstum der Triebe war deutlich eingeschränkt. Trotzdem war es eine durchschnittliche Lesemenge.
Tage   2 3 7          
[L/qm] 234,0 20,7 21,1 29,6          
2004 11-03 31.05.
09.07. 22.07. 14.08         geringe Winterniederschläge, warmer April, nasser Mai, zu kalte Monate Mai, Juni und Juli; Ich kann mir nicht vorstellen, daß sich die Reben 2004 von der Dürre 2003 erholt hatten. Dazu war es mit 519,7 Liter wieder zu trocken. Und es war wieder eine durchschnittliche Lesemenge.
Tage   18/31 5 4 2        
[L/qm] 139,4 70,9 21,7 29,5 19,0        
2005 11-03 11.05.
 18.05. 24.05. 15.06. 31.07. 15.08
    warmer und sehr trockener April, sehr nasser Juli, nasser und kalter August; Und wieder gab es eine durchschnittliche Ernte.
Tage   7 2 4 5 19/31 17/31
   
[L/qm] 215,7 27,8 19,1 23,4 20,9 134,9 89,2
   
2006 11-03 29.04.
31.05. 21.06. 30.06. 07.08. 31.08.     sehr trockener und sehr heißer Juli
Tage   7 7 3 4 4 22    
[L/qm] 270,7 24,9 31,1 21,9 19,6 49,5 54,6    
2007 11-03 31.05.
16.06 29.06. 31.07 31.08.       sehr trockener April, regenreiche Monate Mai, Juli und August
Tage   19/31 2 4 21/31 16/31      
[L/qm] 243,8 135,2 20,3 20,8 94,7 84,6      
2008 11-03 30.04. 31.05. 25.06. 31.07. 31.08.       sehr warmer Januar und Februar, regenreiche Monate April, Juli und August
Tage   18/30 1 3 16/31 17/31      
[L/qm] 258,8 108,0 23,0 33,4 84,5 95,8      
2009 11-03 31.05.
30.06. 31.07. 13.08. 27.08.       nasser März und sehr trockener und sehr warmer April, regenreiche Monate Mai, Juni und Juli
Tage   16/31 17/30 18/31 4 3      
[L/qm] 218,6 74,0 80.4 102,0 26,6 19,6      
2010 11-03 31.05.
03.06. 06.07. 25.07. 29.07. 31.08.     trockener April, nasser und sehr kalter Mai, warmer und sehr nasser Juli mit Starkniederschlägen, extrem nasser August, nasser September
Tage   24/31 3 2 4 2 21/31    
[L/qm] 214,4 93,6 24,8 21,0 77,4 16,0 219,8    
2011 11-03 14.04.
21.05. 01.06 24.06. 31.07. 31.08.     hohe Winterniederschläge, sehr warmer April, sehr nasser Juli und nasser August
Tage   3 10 2 9 18/31 18/31    
[L/qm] 271,1 28,0 29,2 19,0 31,0 214,2 83,4    
2012 11-03 12.05,
30.06. 31.07. 24.08.         warmer März, trockener April, nasser Juni und Juli
Tage   2 17/30 17/31 5        
[L/qm] 180,6 17,4 80,2 103,6 52,4        
2013 11-03 31.05.
30.06.
30.07. 06.08.         sehr hohe Winterniederschläge, sehr kalter März, trockener April, nasser Mai und sehr nasser Juni mit Jahrhunderthochwasser,
Tage   22/31 16/30
2 3        
[L/qm] 331,2 148,2 220,6
45,4 47,4        
2014 11-03 31.05.
31.07. 31.08.           sehr geringe Winterniederschläge, sehr warmer Februar, März und April, sehr nasser Mai, trockener Juni, sehr nasser und warmer Juli und nasser kalter August
Tage   20/31 14/31 19/31          
[L/qm] 135,4 94,2 121,8 88,6          
2015 11-03 02.04.
28.04. 13.06. 24.06. 27.07. 19.08. 25.08.   trockener Mai, warmer Juli mit heißen Tagen, sehr heißer August mit Starkniederschlägen; Die Laubwand war recht gut entwickelt. Drei Dürreperioden in der 1., 3. Juliwoche und der 1. Augusthälfte mit sehr hohen Temperaturen setzen dann den Reben zu, worunter die Junganlage litt.
Tage   5 3 6 7 6 5 2  
[L/qm] 192,0 33,4 47,8 25,6 42,0 21,6 81,8 18,2  
2016 11-03 01.04.
17.04. 30.06. 31.07. 05.08.       sehr warmer Februar, trockener Mai, nasser Juni und Juli, trockener August; Ein mäßig warmes Frühjahr und Sommer und sehr hohe Niederschläge im Juni und Juli führten zu einem starken Wachstum der Triebe.
Tage   3 6 19/30 20/31 4      
[L/qm] 259,3 19,0 26,4 130,2 104,6 32,4      
2017 11-03 07.04.
14.05. 04.06. 23.06. 31.07. 11.08.     warmer Februar und März, trockener Mai; Ein mäßig warmes Jahr mit immer wieder ausreichenden Niederschlägen führte zu normalem Wachstum. Nur die Junganlage tat sich etwas schwer.
Tage   1 3 2 2 20/31 3    
[L/qm] 250,4 19,8 20,4 18,2 18,8 91,2 36,6    
2018 11-03 16.04.
12.07. 18.08.           heißer April, sehr warmer und trockener Mai, warmer und trockener Juni, sehr warmer und trockener Juli und August; Das war ein heißer Dürresommer. Erste Erfahrungen mit der Bewässerung wurden gesammelt. Dennoch traten Wuchshemmungen auf.
Tage   4 3 1          
[L/qm] 192,2 39,6 25,4 18,4          
2019 11-03 29.04. 16.05. 22.05. 13.06. 13.07.       hohe Winterniederschläge, sehr warmer Februar und März, warmer und trockener April, kühler Mai, sehr heißer Juni, warmer Juli und August; Die Zeilen, die richtig bewässert wurden, erfreuten sich an einem gutem Wachstum der Triebe.
Tage   4 6 3 4 2      
[L/qm] 284,7  29,0  25,8 18,4  23,8  26,8      

[1] Boer, Elisabeth; Koepert, Otto  Die Dresdner Heide und ihre Umgebung, 1932
[2} Othmar Nestroy, Den Boden verstehen, Leopold Stockerverlag Graz - Stuttgart, 2017
[3] Wolfgang Patzwahl, Bewässerung im Weinbau, Eugen Ulmer KG, 2007
[4] Hoppmann, Schaller, Stoll, Terroir Wetter Klima Boden, Eugen Ulmer KG, 2017, 2. Auflage
[5] Torsten Griebel, Untersuchungen über die Anteile der Transpiration der Rebe und der Evaporation in begrünten Rebbeständen an der Gesamtverdunstung, Geisenheimer Berichte, 1996
[6] Bernd Gruber, Untersuchungen zur Bodenfeuchtedynamik und zum Pflanzenwasserhaushalt bei verschiedenen Bodenmanagment- und Laubwandsystemen von Vitis vinifera L. (cv. Riesling) im Steilhang - ein Ansatz zur bedarfsgerechten Steuerung von Tröpfchenbewässerungsanlagen, Geisenheimer Berichte, 2013

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