Erstellt: Dienstag, 01. Oktober 2019 21:59

Grundsätzlich tragen die wissenschaftliche Betrachtung anhand von Modellen zum Verständnis der Vorgänge bei. Praktikabel sind diese allerdings nur eingeschränkt. Besser geeignet sind da Beobachtungen an der Rebe und die direkte Messung der Bodenfeuchte.

Es stehen folgende Messmethoden zur Verfügung4:

Methode Vorteile Nachteile Preisrecherche
Trocknung einer Bodenproben, aktuelle Bodenfeuchte (% nFK), Trockenschrank erforderlich hohe Genauigkeit, einfache Handhabung zeitaufwendig, nur punktuell einsetzbar, relativ hohe Kosten  
Gipsblock, Messung des Bodenwasserpotentials, Anzeigegerät notwendig leichte Handhabung, preisgünstig, an mehreren Stellen einsetzbar relativ ungenau, muss häufiger kalibriert und überprüft werden ca. 30,- € plus Lesegerät
TDR- / Theta-Sonde, aktuelle Bodenfeuchte (% nFK), Anzeigegerät notwendig hohe Genauigkeit, leichte bis mittlere Handhabung nur punktuell einsetzbar, hoher Kostenaufwand ab 700,- €
C-probe Kapazitätsfühler, aktuelle Bodenfeuchte (% nFK), in Verbindung mit Kleinwetterstation gute bis hohe Genauigkeit, sinnvoll zusammen mit Kleinwetterstation nur punktuell möglich, relativ hoher Zeit- und Kostenaufwand wegen Wetterstation ca. 800,- € plus Lesegerät
Scholanderbombe, Blattwasserpotenzial bei Sonnenaufgang mit Anzeigegerät sehr hohe Genauigkeit, zeigt den Stress der Rebe direkt an, Messung an mehreren Stellen möglich zeitaufwendig, Messung zu ungünstigen Zeiten, morgens 4 - 5 Uhr, kostenaufwendig > 3.000,- €
Berechnung der Bodenfeuchte, Abfrage über das Internet (agrowetter.de) oder Installation eines Bodenfeuchtemodells im PC, erforderlich sind Wetterdaten, nFK-Werte, phänologische Termine mittlere bis hohe Genauigkeit, einfache Handhabung nach Installation und Einrichtung des Programms, arbeitet flächendeckend für die Anwendung starke Generalisierung und Vereinfachung von Bodenart, Bodentyp und Bodenmächtigkeit, berechnet nicht die Bodenfeuchtigkeit in der Nähe des Tropfers  
Die Autoren des Buches "Terroir Wetter Klima Boden" halten den Einsatz von Tensiometer und Watermarksensoren im Weinbau für nicht geeignet.4 Das sieht Wolfgang Patzwahl in "Bewässerung im Weinbau" anders.3
Tensiometer, Messung der Bodenfeuchte gute Messgröße misst nur punktuell, Wartungsaufwand ab 60,- € (plus Lesegerät)
Lesegeräte     300 bis 500 €

Trocknet man ein bekanntes Bodenvolumen, kann man die Bodenfeuchte durch Messen der Gewichtsreduzierung direkt messen.

Durch das Messen des elektrischen Widerstandes zwischen zwei Elektroden in einem Gipsblock, der die Feuchtigkeit des umgebenden Bodens angenommen hat, kann man die Bodenfeuchte indirekt messen.

Die indirekte Messung mit der Time-Domaine-Refletometry-Sonde (TDR) beruht auf der Dielektrizitäts-Konstanze des Bodens, d.h. wie stark sich eine elektromagnetische Welle in Abhängigkeit von der Bodenfeuchte ausbreitet. Auf dem gleichem Prinzip beruht die kapazitive Messung, d.h. die Kapazität zwischen zwei Platten ist abhängig von der Bodenfeuchte zwischen den zwei Platten.

Mit der Scholanderbombe kann das Blattwasserpotenzial gemessen werden. In einer Druckkammer wird Druck auf eine Blattoberfläche  ausgeübt bis Wasser aus dem Blattstiel austritt. Daraus können Rückschlüsse auf die Bodenfeuchte gezogen werden.

Die Daten von agrowetter.de werden mittlerweile über die website des Deutscher Wetterdienst DWD zur Verfügung gestellt. Von dort gelangt man zum Climate Data Center CDC, wo man Wetterdaten abgreifen kann. Die nächste geeignete DWD-Wetterstation befindet ssich in Dresden-Hosterwitz. Es ist zu überprüfen, inwieweit das für uns nutzbar ist. Die Firma Ott HydrMet GmbH bietet eine Softwarelösung in Verbindung mit Sensoren an.

Tensiometer bestehen aus einer keramischen porösen Zelle mit 1 μm großen Poren. Die Keramikzelle ist über ein mit Wasser gefülltes Rohr mit einem Barometer verbunden. Wird Wasser aus einer trockneren Bodenumgebung aus der Keramikzelle gesaugt, zeigt das Barometer einen negativen Druck an, der direkt die Bodenfeuchte anzeigt.

Der Boden am Weinberg am Lingnerschloss ist ein homogenes Gebilde, so daß man mit wenig Sensoren auskommen kann. Ich halte den Einsatz von Sensoren für zwingend notwendig, um richtig und wirtschaftlich zu bewässern.

[1] Boer, Elisabeth; Koepert, Otto  Die Dresdner Heide und ihre Umgebung, 1932
[2} Othmar Nestroy, Den Boden verstehen, Leopold Stockerverlag Graz - Stuttgart, 2017
[3] Wolfgang Patzwahl, Bewässerung im Weinbau, Eugen Ulmer KG, 2007
[4] Hoppmann, Schaller, Stoll, Terroir Wetter Klima Boden, Eugen Ulmer KG, 2017, 2. Auflage
[5] Torsten Griebel, Untersuchungen über die Anteile der Transpiration der Rebe und der Evaporation in begrünten Rebbeständen an der Gesamtverdunstung, Geisenheimer Berichte, 1996
[6] Bernd Gruber, Untersuchungen zur Bodenfeuchtedynamik und zum Pflanzenwasserhaushalt bei verschiedenen Bodenmanagment- und Laubwandsystemen von Vitis vinifera L. (cv. Riesling) im Steilhang - ein Ansatz zur bedarfsgerechten Steuerung von Tröpfchenbewässerungsanlagen, Geisenheimer Berichte, 2013

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