Erstellt: Freitag, 01. August 2014 09:13

In seinem Buch "Die Albrechtsschlösser zu Dresden - Loschwitz" beschreibt Herr Rolf Köhne auch umfassend die Situation der Wasserversorgung an den Elbschlössern sowie das Problem mit der Statik beim Bau des Schloß Albrechtsberg und die nowendige Entwässerung des Hanges.

Kapitel Schloss Albrechtsberg Seite 42 und 43

... Der Park des Albrechtsberges sollte im englischen Stil mit Teichen, Bächen, Brücken, Felspartien Wasserfällen, Fontänen, Springbrunnen, verschlungenen Wegen und Terrassenanlagen gestaltet werden. Als die großen Türme angesetzt, der schwere Viadukt und die großen Terrassenanlagen gebaut wurden, warnten den Schwiegervater des Gärtners Neumann, der am Weißen Hirsch wohnende Johann August Preißler und der alte Loschwitzer Röhrmeister Voigt, die sich beide mit den Bodenverhältnissen gut auskannten, die Berliner Bauleute vor einem allzu schwerem Bauen und machten sie auf die Gefahren aufmerksam, die durch die oben schon erwähnte Sanddüne über der nassen Tonsohle entstehen könnten. "Wenn so weiter gebaut würde, könnte es passieren, daß das Ganze ins Rutschen käme und in der Elbe läge." Tatsächlich zeigten sich bald am Schloß, an den Terrassenanlagen und an der schweren Fünfbogenbrücke, die auf dem ehemals Hennig/Müllerschen Grundstück gebaut worden waren, Absenkungen und sogar Risse.
   Aus Freiberg wurden Fachleute zur Begutachtung herangezogen. Eine Abtäufung im östlichen Teil des Parkes dicht an dem ehemaligen Hegewaldschen Grundstück bestätigte die Befürchtungen von Preißler und Voigt. Diese Abtäufung wurde ausmauert, mit einem Häuschen überdacht, mit einer Winde versehen und für den Fall einer Wassernot als Brunnen vorgesehen. Mehrere hundert Freiberger Bergleute mußten in Tag- und Nachtarbeit ein kompliziertes Entwässerungssystem vorn im Berg anlegen. Dies verschlang große Summen, die eigentlich für die Terrassenanlagen vorgesehen waren. Die Baumeister kamen dadurch in große Verlegenheit. Es wurden elf Stollen schräg in den Berg getrieben und ausgemauert. Oben, unterhalb des Schlosses, wurde ein nach beiden Seiten hin abfallender Querstollen, der mit den elf ersteren in Verbindung stand, gebaut. Die ursprünglich geplanten fünf Terrassen konnten nicht vollständig ausgeführt werden.

Kapitel Schloss Albrechtsberg, Seite 59 ff

... Zur Wasserversorgung ist anzumerken, daß schon bei den Weinbergsbesitzern im 17. Jahrhundert diese eine große Rolle spielte. Es kamen dafür drei Bäche in der Dresdner Heide in Frage: der Schotenbach (Eisenbornbach), der Ochsengrundbach (Gutebornbach) und der Stechgrundbach oberhalb der Mordgrundbrücke und deren Quellgebiete, Moosbrüche und sogennante Platten.
   Den Eisenbornbach hatte sich seit etwa 1450 Altendresden (das spätere Dresden-Neustadt) zunächst für das Kloster vorbehalten. Vom Fischhausteich verlief eine starke Leitung zum Wasserhaus nördlich des Fischhauses und von da ab gab es zwei Leitungen rechts der Bautzner Straße mit einer Abzweigung zum Marcolinischen Vorwerk in die Stadt. Die beiden wassersprudelnden steinernen Skulpturen auf dem Neustädter Markt wurden noch bis zum Bombenangriff 1945 von diesen Leitungen gespeist.
   So blieben für die Grundstücke zwischen Mordgrund und Schotengrund, aber auch für andere jenseits des Mordgrundes nur Stechgrund- und Gutebornwasser übrig. Der Albrechtsberg und dessen Vorbesitzer erhielten von jeher ihr Wasser aus dem Stechgrund, wo oberhalb der Mordgrundbrücke ein Wasserhaus mit zwei Absetzbecken für Sand stand. Als das Gebiet zwischen Mordgrund und der späteren Schillerstraße (heute Bautzner Straße) stärker besiedelt wurde, schlossen sich im Stechgrund viele Nutzer an. Im Jahre 1864 waren es neun. Für die Berieselung der Wiesen im Albrechtsberg, für die vielen Wasserkünste, Fontänen, Springbrunnen, Wasserfälle und Teiche im Park sowie für das Nutz- und Trinkwasser der Gebäude reichte diese Wasserquelle nicht mehr aus. Vor allem bei längerer Trockenheit wurde das Wasser knapp. Man hatte zwar die beiden Teichreservoire, die man nachts bei abgestellten Wasserkünsten vollaufen ließ, aber manchmal führten die Bäche überhaupt kein Wasser, was heute sehr oft vorkommt. Man hatte für diesen Fall schon beim Bau das oben beschriebene Pumphaus an der Elbterrasse vorgesehen, das in das Wassersystem des Schlosses Elbwasser pumpen sollte.
   Die Wasserleitungen vom Stechgrundbach und vom Gutebornbach verzweigten sich ebenfalls über das gesamte Parkgelände. Es diente sowohl zur Trinkwasserversorgung beider Grundstücke als auch zum Betreiben der Wasserkünste. Freifrau von Stockhausen hatte aus Saugartensteinen an der Grenze zwischen ehemals Heymeschen und dem ehemals Müllerschen Berg ein etwa 45 Meter langes Mauerstück errichten lassen.
   Das Stockhausensche Grundstück war bei der Wasserversorgung etwas besser gestellt. Es bekam sein Wasser vom Gutebornbach, von dem nur noch der Eckberg gespeist wurde. Trinkwasser wurde bei Lingner aus einem Brunnen unten am Weinberg hochgepumt. Zum Teil wurde auch der Albrechtsberg an dieses Wassernetz angeschlossen. Drei Sprengmöglichkeiten für die benachbarten Wiesen waren davon geplant. Auch das Wasser für den Wasserfall in der "Bastei" wurde davon genommen, das in den Fontänenteich mit der geplanten Riesenfontäne geleitet werden konnte. E. Knobloch beschreibt das komplizierte und ausgeklügelte Wassersystem im Albrechtspark. Ob es je vollständig funktioniert hat, ist nicht sicher. Die große Fontäne und die weiteren auf der oberen Wiese und vor dem Schloß sind in Bildern dargestellt. Sie entspringen bei gutem Wasserdruck heute noch, allerdings ohne Pumpen. Eine geplante Fontäne am Ende der südlichen Allee von der Glockenbrücke her wurde in einem tiefen Becken als "Tulpe", der Stiefel als Kupferrohr, oben mit abgebogenen Kupferblättern, über die das Wasser plätscherte, gebaut. Das war sehr dekorativ. Heute ist hier nur noch ein abgedecktes Sammel. und Verteilungsbecken.
   Die Wasserführungen wurden teilweise immer wieder verändert. Selbst die Trinkwasserversorgung war häufig störanfällig. Damit die Bewohner Wasser hatten, wurden im Nachbarpark sehr große Eisenbehälter aufgebaut, in denen Wasservorräte stets vorhanden sein sollten. So mußte der Kammerdiener auf die Behälter steigen, um besorgt nach dem Wasserstand zu sehen. Trinkwasser sollte von den Brunnen im Weinberg des Stockhausenschen Grundstücks, dem östlichen Teil des Albrechtsberges und von der Quelle unten an der Kaimauer geholt werden. Teilweise wurde über einen langen Weg von dieser Quelle in Eimern das Wasser geholt. Nachdem um 1937 beim Aufdrehen des Wasserhahnes unzählige kleine braune Würmer im Wasser auftraten, wurde die gesamte Wasserversorgung an das Wasserwerk Saloppe angeschlossen. Für die Wasserkünste steht jedoch das Waldwasser bis heute noch zur Verfügung.
   Bei der Gestaltung der Wasserkünste im Albrechtsberg hatte der Bruder Prinz Albrechts, Wilhelm von Preußen, mit Rat zur Seite gestanden. Er war es, der auch die von seinem Urgroßonkel, Friedrich dem Großen, geplanten und gebauten Fontänen im Park von Sanssouci in Gang gebracht hatte. Die große Fontäne vor dem Schloß Sanssouci konnte eine Höhe von 65 Meter erreichen. Diese sollte von der großen Fontäne vor dem Albrechtsschloß noch übertroffen werden.

[Quelle: Rolf Köhne - "Die Albrechtsschlösser zu Dresden - Loschwitz", Reihe "Dresdner Miniaturen" im Hellerau-Verlag Dresden im Jahr 2000 in zweiter Auflage]

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