04 | 03 | 2026

1855 verstarb Albert Freiher von Stockhausen-Immenhausen nur zwei Jahre nach Fertigstellung der Villa Stockhausen. Er hinterließ eine 44jährige Witwe, eine 11jährige Tochter, einen 8jährigen und einen 7jährigen Sohn. 1872 verstarb Prinz Albrecht von Preußen und 1879 seine zweite Ehefrau Rosalie Gräfin von Hohenau.

Beide Söhne, der ältere Wilhelm Graf von Hohenau seit 1873 und sein Bruder Friedrich seit 1876, beide 19jährig, hatten da bereits ihre Offizierslaufbahn im 1. Garde-Dragoner-Regiment in Berlin begonnen. Schloss Albrechtsberg war damit fast ganzjährig nicht bewohnt. Dies wird auch durch die Einträge in den Adressbüchern bestätigt. Immer wieder mal wurde über Kaufabsichten berichtet.

   --- In mehreren Blättern ist die Nachricht zu lesen, daß die in unsrer Nähe gelegene Besitzung Sr. königl. Hoheit des Prinzen Albrecht von Preußen durch Kauf in andere Hände übergegangen sei. Wir glauben gut unterrichtet zu sein, wenn wir diese Nachricht als unbegründet bezeichnen. [DJ 7.9.1855]
   
Dresden, 18. September. Durch mehrere Blätter ist bald die Nachricht gegangen, daß die dem Prinzen Albrecht von Preußen gehörige, in unserer Nähe gelegene A l b r e ch t s b u r g (sonst unter dem Namen "Findlater's Weinberg" bekannt) verkauft worden, bald daß dies ein leeres Gerücht gewesen, bald daß diese reizende Besitzung gar nicht verkäuflich sei. So wahr auch diese Nachricht ist, da bis heute ein Kauf noch nicht abgeschlossen ist, so unwahr ist die letzte Behauptung. Wir sind sehr gut unterrichtet und wissen genau, daß, so wenig auch die gedachte Besitzung zum Kauf öffentlich ausgeboten wird, dieselbe doch verkäuflich ist. Der Preis ist auf 500,000 Thlr. gestellt, ein Preis, welcher für ein bloßes Land- und Weinbergsgrundstück sehr hoch zu sein scheint, es aber, zumal wenn, wie zu erwarten, noch etwas daran gemindert wird, nicht ist, wenn man die Solidität und Pracht des ganz neu erbauten Schlosses und seine innere Einrichtung erwägt, welche ihres Gleichen allerdings in unserm Sachsen nicht hat. [DaZ 20.9.1855]SLUB

   ... Se. Königl. Hoheit Prinz Georg soll in Absicht haben, die herrliche Besitzung des verstorbenen Partikulier Souchay neben den Schlössern des verstorbenen Prinzen Albrecht von Preußen und des Barons von Stockhausen anzukaufen. Gegenüber dieser Besitzung soll bekanntlich das Bauproject Prinzenaue verfolgt werden. ... [DN 20.10.1872]

   Als der leutselige Prinz Albrecht von Preußen noch lebte, ließ er an schönen Sommertagen, ebensowohl sich als dem Publikum zum Vergnügen, seine Wasserkünste springen. Der Aufwand, den dies verursachte, wird auf mindestens 500 Thlr. (zur Speisung der Dampfmaschine) berechnet. Jetzt richten sich die Blicke der Vorübergehenden und Fahrenden vergebens nach Schloß Albrechtsberg. Das schöne fürstliche Besitzthum wird durch die Gräfin Hohenau nur eben soweit in Stand erhalten, daß es nicht zurückgeht. Sollte sich nicht ein hoher Standesherr finden, der dort seinen Sitz aufschlüge? Der Verkaufspreis des Schlosses wird uns auf 1 Million angegeben; seine Baukosten werden dadurch noch lange nicht gedeckt. Auch in den benachbarten Schlössern geht es recht still und einsam zu. Kein Leben in dem Palais des Herrn von Stockhausen und auch der herrliche Eckberg von Souchay ist nach dessem Tode vereinsamt. So bieten die drei Perlen des Höhenzugs an der Elbe dem auf dem Schiff Vorüberfahrenden jetzt einen hohen architectonischen Genuß, aber flößen zugleich wehmüthige Gedanken ein. Keine Flagge weht von ihnen, keine fröhlichen Menschen beleben ihre Zimmer, ihre Berg- und Gartenanlagen. --- Die Prachtgebäude sind stille Wittwensitze, große Mausoleen. [DN 24.6.1873]

   Ob Prinz Albert von Sachsen-Altenburg (denn um diesen Prinzen, nicht um den Prinzen Moritz, handelt es sich) die Albrechtsburg in Loschwitz bereits käuflich erworben oder ob dieser Ankauf in Bälde bevorsteht, entzieht sich noch der allgemeinen Kenntniß. Sicher ist, daß Prinz Albert nach seiner demnächstigen Vermählung mit der verwittweten Prinzeß Heinrich der Niederlande die Albrechtsburg beziehen und darin dauernden Aufenthalt nehmen wird. Gewissermaßen bleibt das herrliche Schloß in kgl. preußischem Familienbesitz. Graf Hohenau, der jetzige Besitzer, Sohn des Prinzen Albrecht, verkauft es an den Gatten seiner Cousine; denn die künftige Prinzeß Albert von Altenburg ist die Tochter des Prinzen Karl von Preußen, des Bruders des Erbauers der Albrechtsburg. dieselbe ist bekanntlich mit zahlreichen Reminiscenzen an die Geschichte des hohenzollernschen Fürstenhauses geschmückt und dies wird dem Gatten einer geborenen preußischen Prinzessin nur höchst willkommen sein. [DN 26.3.1885]
   Wie uns versichert wird, hat Prinz Albert von Sachsen-Altenburg das Schloß Albrechtsburg in Loschwitz vom Grafen Hohenau noch nicht gekauft, sondern zunächst für einen Preiß von 20,000 M. jährlich gemiethet. Die Braut des Prinzen, die verwittwete Prinzeß Heinrich der Niederlande, ist übrigens die Enkelin, nicht die Tochter des Prinzen Karl von Preußen; ihr Vater ist Prinz Friedrich Karl. [DN 27.3.1885]

    Die prächtige Besitzung des Grafen von Hohenau, das Schloß Albrechtsberg in Loschwitz, ist nunmehr in den Besitz des jetzigen Miethers, des Prinzen Albert von Sachsen-Altenburg übergegangen. Der Kaufpreis beträgt 1 1/2 Mill. M. einschließlich der Jahresmiethe von 30,000 M. Dem jungen Fürstenpaare hatte der Aufenthalt dort so gefallen, daß es das Schloß dauernd zu erwerben beschloß, nachdem der Gemahlin des Prinzen Albert durch den Tod ihres Vaters, des Prinzen Friedrich Karl v. Preußen, eine große Erbschaft zugefallen war. Der Kaufpreis ist verhältnißmäßig niedrig; doch kommt in Betracht, daß die Unterhaltungskosten des großen Schlosses, seines Parkes und Berges etwa 20,000 M. jährlich betragen. [DN 3.7.1885]
    Wir werden von Herrn Rechtsanwalt Leonhardi, als dem Vertreter des Herrn Grafen von Hohenau, davon unterrichtet, daß die von uns kürzlich gebrachte Mittheilung über den Verkauf des Schlosses Albrechtsberg in Loschwitz nicht begründet ist. Diese Mittheilung unterscheidet sich in ihrer Form sehr zu ihrem Vortheile von einer neulich in gleicher Angelegenheit von anderer Seite zugegangenen Notiz, die wegen ihres unziemlichen Tones unberücksichtigt bleiben mußte. [DN 7.7.1885]

    Dem vorgestrigen Besuche des Kaisers Wilhelm in Dresden folgte unerwartet gestern der Besuch der Kaiserin Friedrich. ... Die hohen Reisenden durchfuhren die via Triumphalis, welche am Tage zuvor Kaiser Wilhelm passirt hatte, ziemlich bis an's Ende: die kaiserliche Mutter hatte somit Gelegenheit, sich von der Liebe und Verehrung zu überzeugen. ... Die Fahrt ging nach Schloß Albrechtsberg in Loschwitz. Der Besitzer dieses herrlichen Schlosses, Graf Hohenau, war mit seiner Gemahlin am Tage zuvor aus Berlin hier eingetroffen, desgleichen Prinz Albert von Altenburg, welcher bis dahin dort gewohnt hatte. Wie es heißt, erfolgte die Besichtigung des Schlosses Albrechtsberg durch die Kaiserin behufs entweder Ankaufs oder Miethe. ... [DN 29.8.1888]

   Das bevorstehende Jubiläum des Wettiner Fürstenhauses erregt in vielen Orten Sachsens und in zahlreichen Kreisen der Hauptstadt die lebhafte Theilnahme. ... Wie ganz anders präsentiren sich die Albrechtsschlösser am Loschwitzer Elbgelände mit der herrlichen Fernsicht auf das Elbthal und das Mittelgebirge, mit der freien Aussicht nach drei Himmelsgegenden zu, mit ihrem großen Parke und mit der unmittelbarem Anlehnung an den Wald, endlich mit ihrer wohnlichen Einrichtung im Großen Stile. Dieses Besitzthum, daß der Fremde, der noch nicht orientirt ist, jetzt schon ohnehin dem sächsischen Hofe zuschreibt, würde in den Händen Ihrer Majestäten sich zu einem ebenso vornehmen als auch reizenden Sommersitz gestalten. [DN 30.12.1888]

   Die S t a d t  D r e s d e n kaufte das S ch l o ß  A l b r e ch t s b e r g für eine halbe Million Mark an. (S. Sachsen.) [Leipziger Tageblatt und Anzeiger 3.11.1904 Abendausgabe]

   Loschwitz. 1. März. (V o m  S ch l o ß  A l b r e ch t s b e r g.) Das auf der Höhe des rechten Eöbufers gelegene Schloß Albrechtsberg, das, vor etwa 60 Jahren vom Prinzen Albrecht von Preußen erbaut, jetzt den beiden Grafen v. Hohenau gehört, dürfte demnächst speziell in der Ausdehnung seines herrlichen Parkes eine Veränderung erfahren. Es sind Bebauungspläne für das westliche Parkterrain bei der Behörde eingereicht worden, so daß in nicht zu ferner Zeit neue Villen sich dort erheben werden. [DnN 2.3.1906]

   Eine drohende Gefahr für das Elbgelände zwischen Dresden und Loschwitz. Jeder Dresdner und jeder Fremde, der mit dem Schiff nach Loschwitz fährt oder zu Fuß seinen Weg am Strom entlang nach Blasewitz nimmt, wird immer aufs neue entzückt sein von dem bezaubernden landschaftlichen Bilde, das ihm die mit frischem Grün bestandenen, villengekrönten Gelände des rechten Elbufers gewähren. Insonderheit sind es die drei prachtvollen Besitzungen des Grafen Hohenau, des Herrn Geh. Kommerzienrats Lingner und des jüngst verstorbenen Herrn Generalkonsul Wunderlich, die, bekannt unter dem Namen der Albrechtsschlösser stets die Augen aller Vorübergehenden auf sich ziehen. Vor allem ist es das erste, vom Prinzen Albrecht von Preußen erbaute Schloß, ein vornehmer Fürstensitz, das ungeteiltes Interesse erweckt, nicht nur wegen seiner Geschichte, sondern auch wegen der imponierenden Schönheit seiner Bauart und Lage. Diesem droht die Gefahr, wesentlich an seiner jetzigen Gestaltung einzubüßen. Schloß Albrechtsberg soll parzelliert und der herrliche Park der Bebauung erschlossen werden, da sich ein Käufer nicht finden will, und zwar sollen, wie bereits vorliegende Pläne erkennen lassen, der Dresdner Straße entlang zwischen der Saloppe und dem Schlosse 30 - 35 Baustellen und nach Loschwitz zu 4 Baustellen abgetrennt und der Bebauung mit Villen zugeführt werden. Der Besitz könnte zur Not eine Abtrennung von Land entlang der Dresdner Straße bis zur Saloppe ertragen, aber die Höhe nach dem Lingnerschen Nachbargrundstücke, nach Loschwitz zu, müßte unter allen Umständen in ihrem jetzigen Zustande bleiben. denn sobald dort eine Bebauung zugelassen wird, fällt der gerade hier wunderbar schöne, alte Baumbrstand und mit der monumentalen Wirkung von Schloß und Park ist es vorbei für immer, wo gerade auf die Erhaltung des alten Bildes alles ankommt. Hinter dem ganzen Handel soll, wie man munkelt, die mit ihrem ersten Hotelbauprojekt auf dem Weißen Hirsch beim dortigen Gemeinderat abgefallene Berliner Parkhotel-Gesellschaft stecken, die mit dem Albrechtsschlosse ihre Pläne verwirklichen wolle und das Besitztum nach Abtrennung größeren Baustellenareals entsprechend billiger zu erhalten hoffe. Die Vereine, die den Natur- und Heimatschutz pflegen, sollten gegen das Projekt energisch Protest erheben und die Amtshauptmannschaft als Interpret des vom letzten Landtage beschlossenen Gesetzes gegen die Verunstaltung von Stadt und Land, müßte ihren Einfluß aufwenden, um die Ausführung eines solchen Projektes zu verhindern. [DnN 29.8.1909 Frühausgabe]

   Loschwitz. Vom Schloß Albrechtsberg. Die Stadtgemeinde Dresden befindte sich zurzeit in Verhandlungen mit den Besitzern des Schlosses Albrechtsberg zwecks Ankaufs dieses Grundstücks. Die Angelegenheit ist bereits bis vor das Stadtverordnetenkollegium gelangt, das in den nächsten Tagen eine Lokalbesichtigung vornehmen wird. Die Besitzer des Schlosses sind die Gräfin Charlotte von Hohenau und ihr Sohn Graf Wilhelm. Es wurde in den Jahren 1850 bis 1854 von Lohse für die Gemahlin des Prinzen Albrecht von Preußen erbaut  Das prächtige Schloß ist in den letzten Jahrzehnten der Stadt wiederholt zum Kaufe angeboten worden, und es haben seinerzeit auch bereits Verhandlungen stattgefunden, die sich abr wieder zerschluegn, einmal infolge der Preisstellung, zum andern aber auch infolge des Umstandes, daß das Schloß auf Loschwitzer Flur lag und die von der Stadtgemeinde Dresden als notwendig angesehenen Ausbezirkung unter den damaligen Verhältnissen nicht ohne weiteres zu erreichen war. Mit der Einverleibung von Loschwitz nach Dresden ist diese Schwierigkeit in Wegfall gekommen.
   Wie verautet, besteht noch kein Plan darüber, welcher Zweckbestimmung das Schloß nach dem Uebergang in das Eigentum der Stadt Dresden künftig dienen soll. Bei den früheren Verhandlungen im Jahre 1911 ist die Stadt in erster Linie von dem Gedanken geleitet gewesen, das einzigartige Landschaftsbild zu sichern, denn es ist schon damals zum Ausdruck gekommen, daß die Parzellierung und Bebauung des zum Schloß gehörigen Geländes von der zuständigen Baupolizeibehörde voraussichtlich nicht verhindert werden könnte und daß sich vor allem keine Möglichkeit fände auf Grund öffentlich-rechtlicher Vorschriften die Erhaltung des für das Landschaftsbild überaus bedeutsamen Schloßgebäudes sicherzustellen. Zum andern kommt in Betracht, daß das umfängliche Gelände an das Grundstück des städtischen Wasserwerkes "Saloppe" angrenzt und die Stadt ein Interesse daran haben muß, daß auf den anstoßenden Grundstücken nicht irgendetwas geschieht, was der Wasserversorgung Dresdens abträglich sein könnte. Aus diesem Grunde ist ja auch seinerzeit schon der Ankauf des König-Albert-Parkes durch die Stadt erfolgt. Es kann daher nur gebilligt werden, wenn die Stadtgemeinde Dresden jetzt dem Ankauf des Schlosses Albrechtsberg ernstlich nähertritt, zumal auch das östlich angenzende Gundstück, der "Lingner-Park", mit dem Albrechtschloß II sich bereits in städtischem Besitz befindet. Dieses Schloß, richtiger "Villa Albrechtsberg", ist seinerzeit von dem Prinzen Albrecht von Preußen für seinen Hofmarschall v. Stockhausen erbaut worden. [SäDfZ 05.06.1925]

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Dresden 25. August 1925

Der Kauf des Albrechtsschlosses
Ein Kapitel zur Finanzpolitik Dresdens

   Zweifellos gibt die Finanzpolitik einer ganzen Anzahl von Städten im Reiche der Kritik hinreichend Veranlassung, sich mit gewissen Thesaurierungsmethoden und mit der Verwendung und Ausleihung von Steuergeldern zu beschäftigen. Geschieht das aber unsachlich, entweder nur um die große Mode mitzumachen oder aber aus parteipolitischen Gründen, so kommt dabei zu allerletzt für die in Frage kommenden Städte etwas Gutes heraus. Sachliche Unkenntnis und parteipolitisch eingestellte Kritik können, auch wenn sie sich vereinigen, nicht dazu beitragen, besserungsbedürftige Zustände zu ändern. Völlig abzulehnen aber ist dieses Verfahren, wenn es auch noch am unrichtigen Objekt und an Persönlichkeiten geübt wird, deren Bedeutung und nutzbringende Tätigkeit für ein großes Gemeinwesen für jeden Unparteiischen feststeht.
   In sächsischen Zeitungen einer bestimmten Richtung operiert man jetzt damit, daß man den Ankauf des Albrechtsschlosses und seines Parkgeländes als einen unerhörten Luxus Dresdens und insbesondere seiner Verwaltung hinstellt. Da die Art, wie man diese Sache malt, bezeichnend ist für diese "Kritik" in gewissen, offenbar aus einem Reservoir gespeisten auswärtigen Zeitungen, so erscheint es notwendig, doch einmal festzustellen, was ist.
   Wenn allerdings gesagt wird, die Städte dürften so weit voraussehende Finanzpolitik nicht treiben, wie sie in diesem Falle sich betätigt habe, so kann man darauf nur sagen, daß Kurzsichtigkeit als eine Tugend kaum anerkannt werden kann, es sei denn von gewohnheitsmäßigen Kirchturmpolitikern. Eine nicht mit solcher Kurzsichtigkeit behaftete Verwaltung eines großen Gemeinwesens muß aber weiter denken als den Tag und d a r f  e s  n i e  u n d  n i m m e r  z u l a s s e n, daß ein Gelände wie das um  d a s  A l b r e c h t s s ch l o ß  d e r  P r i v a t b a u s p e k u l a t i o n  v o n  A u s l ä n d e r n  i n  d i e  H ä n d e  f ä l l t. Darum hat es sich aber im vorliegenden Fall gehandelt. Das A l b r e ch t s s ch l o ß, das zweifellos zu dem wichtigsten und schönsten Gelände gehört, in dessen Richtung sich die bauliche Entwicklung bewegt, die in ein paar Jahrzehnten sicher dort angelangt sein wird, s o l l t e  d e r  Z w a n g s v o l l st r e ck u n g  z u g e f ü h r t  w e r d e n. Auf dem Grundstück lastete eine fällig gewordene G o l d h y p o t h e k, die im Besitz von Ausländern war. Diese konnten den Preis zweifellos, da sie den viel längeren Atem hatten, so hoch treiben, daß die Stadt nur mit erheblich größeren Opfern das Gelände der deutschen Hand hätte erhalten können. Es gelang, diese bedrohliche Situation zu retten, indem man durch entschlossene Intervention die Zwangsversteigerung und den Uebergang des Geländes in das Eigentum einer ausländischen Gruppe verhinderte. Es ist ein wahres Glück, daß man frisch zugegriffen und das Land für 700.000 M. gekauft hat. Der Quadratmeter - die Gebäude mit eingerechnet - stellt sich auf f ü n f  M a r k.
   Nun kann natürlich niemand wissen, wie in zwanzig oder dreißig Jahren die Grundstückspreise sein werden, aber da man doch hoffen muß, daß wir einmal eine gesündere und glücklichere Entwicklung kommen, so kann kaum ein Zweifel darüber bestehen, daß das Gelände das Vielfache des dafür bezahlten Preises bis dahin wert sein wird, ja, daß der Kauf ein sehr wohlfeiler war. Es hat sich aber gar nicht in dem Fall darum gehandelt, billig irgendwelche Grundstücke zu kaufen, oder Geld anzulegen, sondern dafür zu sorgen, daß diese große grüne Zone, die einmal mitten in der Stadt Dresden liegen wird, nicht in den Besitz des Auslands gerät, zumal es nicht gleichgültig sein kann, was damit geschieht und wie dort unter Umständen gebaut wird. Das Städtebild Dresden gehört zu den unschätzbaren Dingen, deren Schädigungen sich aber außerordentlich schätzbar und schmerzlich auswirken. Was würde schon die nächste Generation dazu sagen, wenn man hier wirklich aus der Kurzsichtigkeit eine Tugend gemacht und dieses in jeder Beziehung unersetzbare Gelände dem ausländischen Terrain- und Bauspekulationskapital überlassen hätte? Man würde der Verwaltung, die so verfahren hätte, so dankbar sein, wie etwa einer, die vor Generationen den Großen Garten auf diese Weise veräußert hätte. Denn damals lag z.B. auch der Große Garten "außerhalb der Stadt", und wenn man unterstellt, daß er durch falsche Sparsamkeit verloren gegangen wäre, wie würden die Kritiker der bezeichneten Art, und zwar mit Recht, eine Verwaltung auch vom nationalen Standpunkt aus schelten, die einen solchen Park ausländischen Besitzern und ihren privaten Bauprojekten überlassen hätten!
   Es scheint uns nach alledem doch sehr richtig, daß die Finanzverwaltung Dresdens nicht so kurzsichtig und so töricht war, und daß sie im entscheidenden Moment noch zugegriffen hat. Nicht zuletzt aber schätzen wir die Sachlichkeit und die Energie in Persönlichkeiten, die lieber an das Urteil der Geschichte denken. Die wird eben nicht parteiisch, sondern sachlich und nach der Kritik der Vernunft richten.1

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Drei Elbschlösser an der Elbe.
Ein verfallender Fürstensitz. --- Lingners Vermächtnis ein Danaergeschenk für die Stadt? ---
Das Paradies des Botanikers.

   Dort, wo die Heide mit ihrer ersten Stufe, der Heidesandterrasse jenseits des Waldschlößchens, dicht an die Elbe herantritt, beginnt jener langgestreckte Höhenzug, der wegen seiner einzigartigen Schönheit bei Fremden und Einheimischen immer und immer wieder helles entzücken auszulösen pflegt. In fast ununterbrochener Folge reiht sich ein villenbesitz an den anderen, und wohlgepflegte Gärten und Parkanlagen ziehen sich in buntem Wechsel mit herrlichem alten Baumbestand fort bis nach Pillnitz den Berghang hinab zur Talsohle. Kein Wunder, daß gerade dieses Erdenfleckchen von jeher schönheitsfreudige Menschen und Lebenskünstler zum Wohnsitz verlockte. Von den vielen Besitzungen auf dem rechten Prallufer nehmen die A l b r e ch t s s ch l ö s s e r eine bevorzugte Stellung ein; mit ihren weit über das Elbtal schauenden Doppeltürmen geben sie dem Loschwitzer Höhenzug ein besonders charakteristisches Gepräge. Der Volksmund spricht von drei Albrechtsschlössern, indem er auch die Villa Eckberg, jenen am weitesten nach Osten gelegenen schloßartigen Besitz in diesen Sammelbegriff einbezieht, eine Anschauung, die wohl daher rührt, daß diese drei Bauwerke sich in unmittelbarer Nachbarschaft  befinden und auch in derselben Zeit --- in der Mitte der neunzehnten Jahrhunderts --- erstanden sind.
   Und doch, wie verschieden hat sich die Geschichte dieser Elbschlösser gestaltet. Zwein von ihnen sind jetzt bekanntlich städtisches Eigentum. Aber Dresden hat bisher an diesem Besitz leider keine reine Freude, und die Erfahrungen, die man mit dem Lingnerschen Vermächtnis der Villa Albrechtsberg machen mußte, hättem dem Rat wahrhaftig die Augen darüber öffnen sollen, daß solche einst reiner Repräsentation dienende Feudalsitze zu unterhalten heutzutage eine verdammt kostspielige Sache ist. Trotz alledem hat er vor wenigen Wochen noch den Besitz der gräflich Hohenauschen Familie, Schloß Albrechtsberg, gekauft und sich damit --- diese Erkenntnis dämmert nun auch bei denen auf, die für den Erwerb stimmten - ein schweres Kreuz aufgebürdet. Gottlob kann man da nur sagen, daß nicht noch auch Villa Eckberg, das der Rat zur Abrundung seines Areals auf den Elbhöhen so gern noch dazu gehabt hätte, städtisch geworden ist. Es wäre in der Tat jammerschade, wenn auch dieses Schlößchen, das nicht nur in architektonischer sondern auch in landschaftlicher hinsicht als das schönste jener drei Herrensitze angesprochen werden muß, das Schicksal seiner beiden größeren Nachbarn hätte teilen müssen.
   Schloß Albrechtsberg, das in den Jahren 1850 bis 1854 auf dem vom Prinzen Albrecht von Preußen erworbenen ehemals Findlaterschen Weinberg durch den Kgl. Preußischen Landbaumeister Lohse "im hellenischen Stile Schinkels" erbaut wurde, liegt eigentlich schon seit langen Jahren im Dornrößchenschlaf, aus dem es auch die Stadt Dresden in absehbarer Zeit kaum erwecken wird. Der schöne alte Park macht einen recht wenig gepflegten Eindruck, das Unterholz ist stark in die Höhe geschossen, ein Uebelstand, der sich allerdings mit erheblichen Kosten beseitigen lassen würde. Aber was soll die Stadt mit dem Schlosse selbst anfangen. Einen Mieter hierfür zu finden, erscheint völlig ausgeschlossen, das haben die Erfahrungen bei der benachbarten viel kleineren Villa Albrechtsberg zur Genüge gelehrt. Den Plan von Bürgermeister Külz, aus dem Schloß eine englisch-amerikanische-Fremdenpension oder ein Klubhaus für Angelsachsen zu machen, haben wir kürzlich schon als Utopie bezeichnet. Jetzt ist von Ratsseite allen Ernstes der Vorschlag gemacht worden, das D e u t s ch e  H y g i e n e - M u s e u m in den Sälen des Albrechtsschlosses unterzubringen. Käme dieser Plan wirklich zur Ausführung, so wäre damit gleichzeitig das Todesurteil über das Lebenswerk Lingners gesprochen. Das Museum kann nur dann seinen Zweck erfüllen, wenn es im Zentrum der Stadt ersteht. Mag die Verbindung nach Loschwitz noch so glänzend ausgestaltet werden, für den Dresdner kommt nur die innere Stadt in Frage. Und gar der Fremde, für den doch das Museum einen Hauptanziehungspunkt bilden soll, wird es nie und nimmer auf den Loschwitzer Höhen aufsuchen. Er ist gewohnt, derartige Kulturstätten womöglich in der Nähe der Bahnhöfe oder doch wenigstens im Stadtkern zu finden und er wird sich von dieser tief eingewurzelten Auffassung auch nicht durch die Darbietung noch so interessanter Sehenswürdigkeiten abbringen lassen. Zudem würde eine einigermaßen wirkungsvolle Unterbringung des überreichen Museummaterials sehr kostspielige Um- und Ausbauten erforderlich machen. Fürs erste hat aber der Rat tief genug in den Stadtsäckel zu greifen, um Schloß Albrechtsberg nicht völlig zur Ruine werden zu lassen. Ausgedehnte Instandsetzungsarbeiten sind dringend erforderlich, und die Bürgerschaft wird gewiß noch mancherlei Ueberraschungen erleben, wenn man ihr die Rechnung hierüber präsentiert. Von sachverständiger Seite werden die jährlich sich erforderlich machenden Unterhaltungskosten einschließlich des Zinsendienstes auf rund 100 000 Mk. veranschlagt. Wenn auch diese Summe vielleicht zu hoch gegriffen ist, so kommen doch alljährlich einige zehntausend Mark in Frage, ohne daß aus dem besitz außer der Gras- und Holznutzung irgendein Aktivposten für die Stadt zu buchen wäre.
   Auch um die Rentabilität des zweiten städtischen Edelsitzes, der gleichfalls in den fünfziger Jahren von Lohse im Auftrage des Prinzen Albrecht für seinen Hofmarschall von Stockhausen im hellenischen Stil erbauten
                                                                         Villa Albrechtsberg
ist es recht schlecht bestellt. Lingner hatte in seinem Vermächtnis die Bestimmung getroffen, daß sein Besitztum den weitesten Kreisen offen stehen sollte, und so entstand der Lingner-Park. Dem Plan, auch die schloßartige Villa zu einer Gaststätte auszubauen, stellten sich bisher unüberwindliche Schwierigkeiten entgegen; man führte von vielen Seiten ethische und volkswirtschaftliche Gründe dagegen ins Feld, die gewiß zu früheren Zeiten eine gewisse Berechtigung hatten. Heute aber, wo sich auch dieser Besitz fast als Danaergeschenk erweist, muß man realpolitisch denken und es wird schließlich nichts anderes übrig bleiben, als die Villa oder doch wenigstens einen erheblichen Teil davon zu solchen gastwirtschaftlichen Zwecken zu verpachten. Daß sich ein Pächter findet, ist nicht zu bezweifeln; die Lage des Schlosses ist denkbar günstig, die Aussicht einzig schön. Aber der Rat dürfte keine übertriebenen hohen Forderungen stellen, um nicht das Unternehmen von vornherein zu gefährden.
   Jedenfalls erscheint uns, da Villa Albrechtsberg zu Wohn- und Museumszwecken für Jahre hinaus nicht in Frage kommt, eine derartige Verwertung des städtischen Besitzes noch die beste Lösung. Dann würden auch die gleichfalls enorm hohen Unterhaltungskosten auf ein erträgliches Maß herabgemindert werden oder vielleicht ganz verschwinden.
   Auch die Villa Albrechtsberg zeigt recht bedenkliche Verfallserscheinungen. Der schöne Park, der leider viel zu wenig von der Einwohnerschaft aufgesucht wird, muß aus Sparsamkeitsrücksichten vernachlässigt werden. Gras wächst auf den Wegen und die Obstterrassen nach der Elbe zu sind von mannshohen Unkraut überwuchert, so daß kaum die Baumkronen herausragen. Die Terrassen, die ja nur aus Sand bestehen, rutschen zu Tal, da der dem Erdreich Halt gebende Baumbestand vor Jahren abgeholzt worden ist. Und überall Drahtgitter und Zäune, die den Zugang gerade zu den schönsten Aussichtspunkten versperren. Man darf hier allerdings dem Rate keinen Vorwurf machen, denn das Besitztum ist derart koupiert, daß schon ein größeres Aufsichtspersonal erforderlich wäre, wenn man dem Publikum überallhin Zutritt gäbe.
   Auch in Villa Albrechtsberg sind größere Ausgaben vor allem für das Dach erforderlich, um den drohenden Verfall hintanzuhalten. recht verwahrlost, fast pietätlos gegenüber dem Stifter dieses schönen Vermächtnisses mutet der westliche Säulengang an. Hier hat man den Zugang zu den Sälen mit einem Holzverschlag gesperrt und Sackleinewand darüber genagelt, die allerdings in Fetzen herunterhängt. Drei schritte davon steht die büste Lingners, ein Werk von Meister Kolbe, ein schmerzlicher Anblick für jeden äthetisch Empfindenden.
   Wie lebensfrisch schaut dagegen
                                                                        Schloß Eckberg
aus, das sich in derselben Zeit der Schotte Souchay von dem Neugotiker Friedrich Arnold bauen ließ. Aus ganz anderem architektonischen Empfinden geboren, schaut es mit seinem malerischen Burgenaufbau gar lustig weit in das Elbtal hinaus. Schon seine ganze Anlage ist für eine wirklich wohnliche Benutzung zugeschnitten. Heimelig verträumte Kemenaten, mit schwerer tiefgebräunter Eichentäfelung versehene geräumige und doch nicht saalartig wirkende Burgzimmer, überall zierliche Spitzbogen und Fialen, ein wenig kirchlich anmutende Vorhallen und das geradezu märchenhaft schöne Bild uaf das Silberband der Elbe tief im Tal und die Berge der Sächsischen Schweiz nehmen Herz und Gemüt sofort gefangen. So muß Rudolf Herzog in seiner Burg am Rhein hausen. Und dieser entzückende rundblick von den türmen; schaut man gen Norden über den Laubwald der Heide hinüber zum Wolfshügel, so wähnt man nicht in unmittelbarer Nähe Dresdens, sondern mitten im Taunus zu sein.
   Dieses Juwel ist seit kurzem aus dem Generalkonsul Wunderlichschem Besitz an den bekannten Dresdner Großindustriellen der kosmetischen Branche, Dr. v. M a y e n b u r g, den Gründer und Besitzer der das Chlorodont fabrizierenden Leowerke, übergegangen. Herr v. Mayenburg, der ein begeisterter Naturfreund ist, legt jetzt in dem 150 000 Quadratmeter großen Park seiner Besitzung ein wahres Botanikerparadies an. Dutzende von Arbeitern sind mit Planierungsarbeiten, Umgraben, Düngen, Ausroden und Pflanzen beschäftigt. So ist zurzeit ein Rhododendronhain und ein Senkgarten im Entstehen begriffen. Ferner werden ein Alpinum, ein Garten für Dahlienhochzuchten, ein Schatten- und ein Lichtteich mit der entsprechenden Flora und noch mancherlei interessante Pflanzstätten angelegt. Man merkt in alllem die liebevolle und kundige Hand des Naturfreundes und Praktikers, der sich und den Seinen ein wahrhaft ideales Heim schafft. Auf Eckberg pulsiert das warme Leben, während die beiden benachbarten Edelsitze langsam dem Verfall entgegengehen ... [DN 11.10.1925]

Quellennachweis:
[DJ tt.mm.jjjj] Dresdner Journal am tt.mm.jjjj
[DN tt.mm.jjjj] Dresdner Nachrichten am tt.mm.jjjj, SLUB
[DnN tt.mm.jjjj] Dresdner neueste Nachrichten am tt.mm.jjjj
[SäDfZ tt.mm.jjjj] Sächsische Dorfzeitung und Elbgaupresse am tt.mm.jjj, SLUB
[1] Stadtarchiv Dresden, 2.3.7 Finanzamt, Aktenverzeichnis IV, Nr. 769

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